6 Dinge die Andreas nächstes mal besser machen kann.

Aahhhhhh, was für einen Aufregung in der „Internet Marketing Welt“ Irgendwo zwischen schnell und schön reich werden und ich zocke dich beim Linkverkauf ab ist gestern eine Kampagne von Andreas Graap aufgetaucht und alle in helle Aufregung versetzt. Da hat jemand öffentlich etwas getan, ein guter Grund also, dass sich alle drauf stürzen und ihn zerreißen. #nicht

Doch worum ging es? Andreas hat ein Video geteilt, in dem mehrere geöffnete Kartons zu sehen sind in denen Broschüren liegen. Darüber hat er die Geschichte erzählt, dass leider die Druckerei seinen Auftrag versaut hat und zu dünnes Papier genommen hat. Bei seinem Qualitätsanspruch kann er sie daher nicht mehr verkaufen. Um sie aber nicht wegzuwerfen, kann man ein Formular mit seiner Adresse ausfüllen (kam erst später dazu) und bei bezahlen der Versandkosten das ganze kostenlos erhalten. Alles in allem eigentlich nichts neues, wie Felix Breihertz 😉 kommentierte ist das eine Masche, die insbesondere bei den „Schnell im Internet reich werden“ Akteuren genutzt wird und auch in den USA schon von Jahren gang und gebe war. Daher also nichts neues und eigentlich auch nichts verwerfliches. Wieviel Andreas nun über die Aktion verdient hat, wieviele neue Leads er generiert hat und wieviele Beratungskunden, kann ich nicht sagen. Aber ja, es ist damit möglich alles das zu realisieren.

Nun bin ich aber ja bekannt als der, der immer überall noch etwas findet an dem er was aussetzen kann. So auch hier. Ein paar Punkte hätte Andreas hier besser machen können. Dabei gehe ich heute mal nur auf den Teil ein um Leute auf die Landingpage zu bekommen und nicht auf den Funnel dahinter wo dann die Upsells passieren.

Authentizität

Das wichtigste bei solchen Leadmagneten und Leadkampagnen ist, dass die Zielgruppe mir das abnimmt, was ich erzähle. Daher ist das Wichtigste hierbei Authentizität. Die Frage die ich mir stellen muss ist also: Glaube ich Andreas das? Ich gebe zu, den Fehler der Druckerei habe ich ihm sogar abgenommen. (Update 23.05.17 siehe Update ganz unten. Schade.) Sollte er wirklich um günstig zu produzieren mit zu dünnen Seiten bestellt haben nur für diese Aktion, wäre das doof, da er sich damit auf ewig verbrannt hätte. Auf den Videos sieht man auch, dass das Papier wirklich sehr dünn ist. Also ja, die Geschichte ist so eigenltich schön als Aufhänger. Aber! Wem erzähle ich sie? Und hier kommen wir gleich bei den nächsten Punkten zu den Problemen. Denn Leute die Andreas kennen und wissen, dass er seine Großmutter für Leads verkaufen würde 😉 werden ihm die Geschichte einfach nicht glauben, weil es eine Geschichte ist. Für diese wäre es einfacher gewesen zu sagen: Hier sind kostenlose Broschüren, willst Du eine? Dann Formular ausfüllen und gegen Versandkosten oder ansonsten auch gerne das pdf. (Ja! Weil die Leute die das pdf runter laden kann ich gleich segmetieren, was für die Zukunft wichtig ist.)

Zweiter Teil bei Authentizität ist der Inhalt selber. Nun kenne ich nur das was in den Videos zu sehen ist. Aber die Ansage: Wissen aus fast 20 Jahren Onlinemarketing (Also seit 1997) auf ca. 12  Seiten zusammengefasst in einem Funnel der vor dem Verkauf anfängt (Also einer guten Idee und einem guten Produkt) und auch nicht beim Verkauf aufhört (Also auch Kundenbindung anspricht) gibt es nun wirklich zu tausenden auch gratis. Björn Tantau hat da wahrscheinlich mindestens 20 von. 😉 Daher ist das was angekündigt wird und was man gerade bei Leadkampagnen erwartet und auch dann gezeigt bekommt eben nichts, wo ich sage: Brauche ich, habe ich noch nie gehört. Aber da gibt es andere Zielgruppen, die damit etwas lernen.

Zielgruppe

Da wären wir auch schon bei der Zielgruppe. Kurz und Scherzlos: Mit den ganzen Internetmarketern und Möchte-gern-Internetmarketern, ist als erstes voll die falsche Zielgruppe erwischt worden. Warum, habe ich oben schon erklärt. Hier wäre es besser gewesen, diese nicht anzugehen. Ausschliessen kann man es nicht ganz, aber man kann zumindest versuchen sie nicht absichtlich anzugehen.

Markieren

Da wären wir auch schon beim meines erachtens größten Verbesserungspotential: Hier sind sehr viele Menschen auf Facebook markiert worden, die das vielleicht garnicht wollten oder einfach nur genervt waren, weil eben bei jedem Kommentar oder weiterleiten das handy Alarm gibt: Ein Beitrag in dem Du markiert wurdest wurde gerade kommentiert / geliked, gehated. Das system des Markierens von Multiplikatoren auf Facebook ist schon durchaus sinnvoll, da es zum einen den Eindruck vermittelt, das man einer von denen ist, zum anderen, dass man die Multiplikatoren sich geschmeichelt fühlen und das ganze selber weiter teilen. Dazu ist aber wichtig, dass der erste Punkt: Authentizität wieder stimmt. Bei den Multiplikatoren war das eben aus erklärten Gründen oftmals nicht der Fall. Die Erfahrung die ich gemacht habe ist, das der Erfolg viel größer ist, wenn man diese Leute direkt anschreibt und fragt, ob sie den post nicht mal teilen könnten.

Mailempfänger segmentieren

Das wichtigste beim Emailmarketing ist die Segmentierung der Emailadressen. Und das wichtigste dabei: Filtern, filtern, filtern. Am besten ist die Emailliste, die 3 Empfänger hat, die alle 3 kaufen. Deshalb ist es auch wichtig eben die Menschen herauszufiltern, die nicht konvertieren werden, da sie entweder mein Produkt nicht nutzen können oder weil sie Konkurrenten sind. Meine wichtigsten Listen sind daher: Konkurrenten, bereits konvertierte, Multiplier und Mülleimer. Ja, man muss auch Leads mal löschen können.

Sich nicht erklären

Irgendwann fügte Andreas seinem Video noch ein kleines Stück hinzu, indem er erklärt was er da macht und warum. Das ist meiner Erfahrung nach das schlimmste was man machen kann. In dem Moment wo man sich erklärt, nimmt man alles aus der Kampagne heraus, was man aufgebaut hat. Auch sonst kamen jetzt Facebook Live Videos und anderes hinterher um die Meute zu besänftigen. Mein Learning: Ändere nie die Geschichte einer Kampagne, Du kannst für das nächste mal lernen, aber in dem Moment wo Du es änderst, verlierst du an Authentizität und die Kampagne ihren Spannungsbogen. Wenn eine Kampagne aus dem Ruder läuft, lieber beenden oder einfach durchziehen. Aber kein relativieren.

Reihenfolge

Mein letzter Punkt wäre noch die Reihenfolge in der man Zielgruppen, Multiplier und Segmente angeht. Hier war es zumindest gefühlt: Hau raus was das Zeug hält.  Da bei solchen Kampagnen auch das Testing sehr wichtig ist, ist auch wenn es um eine spontane Aktion auf Grund eines Druckfehlers geht es elementar zumindest Standard Tests einzubauen. Hier wäre es am besten erstmal Emails zu verschicken, an Segmente die keine Konkurrenten, Mülleimer, konvertierte sind. Auch Multiplier sollte man segemntieren und nich alle auf einmal anschreiben. Wichtig ist eine Mischung aus Multipliern und Leuten die Interesse zeigen aber noch nie konvertiert haben. (Das kann man noch deutlich weiter zuspitzen, wenn man die Daten hat.)

Auch über Facebook macht es Sinn erstmal Zielgruppen zu targeten, die interessant sind und bereits konvertierten ähnlich.  Erst ganz am Schluss, wenn nur noch ein paar Restexemplare übrig sind, öffnet man nochmal mittels einer weiteren Verknappung alle Kanäle auf einmal.

Problem hier war übrigens noch, dass es ein Emailtarget gab für alle, die schonmal auf der Landingpage waren aber nicht konvertiert haben (Klassische, ich habe für dich noch ein Exemplar reserviert Mail). Da aber nun so viele Menschen über die Aktion hergezogen sind, dürfte die Anzahl derer, die dort getargeted wurden extrem groß gewesen sein, die nur aus Neugier auf die Seite gegangen sind um darüber herzuziehen.

Alles in allem war die Aktion durchaus eine gute idee und mit Sicherheit auch erfolgreicher als manche ihr zugestehen wollen. Aber wie immer gibt es eben ein paar Dinge die man besser machen kann. Also, weiter machen und die nächste Aktion wird noch besser als die letzte. Stay tuned, make better marketing.

Hier noch der Link zur Aktion: https://www.andreasgraap.de/broschueren/

 

UPDATE 23.05.17

Wie sich herausgestellt hat, war der Plan tatsächlich nicht, die Hefte zu verkaufen. So steht in den Exemplaren ausdrücklich drin, dass es sich um Ausgaben handelt, die kostenlos gegen Versandkosten abgegeben werden. Insgesamt gesehen sehe ich die Aktion unter dem Gesichtspunkt kritischer, da somit die Geschichte tatsächlich erfunden ist und nicht stimmt.

(Noch nicht korrektur gelesen)

About the Author

Jan Kutschera ist Internet Idealist und Growthenthusiast so wie Zahlen und Analytics verrückt. Aufgeachsen mit L.A. Poser Metal, Punkrock und Grunge sind die Wurzeln seines Handelns irgendwo hier zu finden. Nach fast 10 Jahren und drei gegründeten Beratungs- und Marketing Agenturen ist sein Interesse mittlerweile die Strategie und der Aufbau von Geschäftsmodellen und eignen Produkten.

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