Juli 26

Angst fressen Seele auf

Jans Meinung

8  comments

Alle reden über Links und Briefe von Google (ach ja habe auch gerade wieder einen mit Adwords Gutscheinen erhalten, die ich meinen Kunden geben soll) nur wir schreiben über Facebook? Ja, weil ich es erstmal nicht relevant fand, da es nichts neues ist, das Google versucht etwas gegen Linkverkauf zu tun.  Da lassen sie sich ständig etwas neues einfallen. Aber ich gebe zu diese Aktion von Google ärgert mich langsam weil ich es für den falschen Schritt halte. Deshalb schreibe ich jetzt doch einmal etwas zu dem Thema.

Ich habe angefangen zu Zeiten von Mailboxen und BTX mich mit Netzwerken zu beschäftigen. Irgendwann dann gab es Mosaic und damit einen Zugang über die Kassler Uni zum WWW (Nein nicht Internet, sondern World Wide Web) Das war was neues und tolles, denn wenn man vorher Compuserv und BTX kannte war diese eine kleine tolle Erfindung auf der dieses World Wide Web basierte genau das was bisher gefehlt hatte. Der Hyperlink! Hyper war das alles plötzlich. Und plötzlich gab es seltsam klingende Anbieter die Zugang zu diesem World Wide Web anboten. Selbst aol und Compuserv erlaubten, dass man aus ihrer Welt ausbrach und per Hyperlinks sich von Seite zu Seite navigieren konnte. Ganz wichtig war damals das Yahoo Verzeichnis, denn sowas wie eine Suchmaschine gab es ja nicht. Dort konnte man zu allen Themen und kategorein Links zu den tollsten Webseiten finden. Und man fing selber an Seiten bei geocities aufzubauen, html (3.0) zu lernen und natürlich hat man das gemacht was eigentlich selbstverständlich war; Wenn einem etwas gefiel hat man es von seiner Seite verlinkt.

Nach ein paar Altavistas und Hotbots (Mein Favorit) und Fireball oder Metager etc. die einfach nur die Ergebnisse aller anderen zusammenfassten, kam dann Google und machte etwas sehr schlaues. Genauso wie in der Wissenschaft, nahm Google die Empfehlungen die eine Seite per Hyperlink bekam als ausschlaggebendes Signal für die Beliebtheit einer Seite. So wie man in wissenschaftlichen Arbeiten anständig zitieren sollte, und somit ein Werk zu mehr Relevanz verschafft machte es eben Google mit den Webseiten. Genial, da es wirklich gute Ergebnisse brachte.

Aber, und damit sind wir am Wendepunkt der Geschichte, Google machte damit den Hyperlink zu einem Gut, dass mit der Zeit immer begehrenswerter wurde. Denkt man an die Anfänge der Blogosphäre zurück, war man doch stolz darauf wenn man in die Blogroll eines anderen aufgenommen wurde. Wenn über Trackbacks spannende Diskussionen entstanden. Man hat gegenseitig übereinander berichtet und sich natürlich auch verlinkt. So funktionierte das Internet. Doch der Link als Gut machte natürlich auch Erfinderisch und man (;-)) hat viele Dinge ausgenutzt, denn erst ging es nur darum viele Links zu bekommen, irgendwann ging es darum noch mehr Links zu bekommen. Damit ging aber der Kampf SEO gegen Google los. Google sah natürlich den Algo der auf den Links basiert als gefährdet an und fing an sich Dinge auszudenken wie man gegen diese Links vorgehen kann. Da Links aber nach wie vor Empfehlungen sind und man auch im echten Leben nicht immer sagen kann, ob eine Empfehlung freiwillig und wirklich so gemeint ausgesprochen wird oder aber erkauft oder erzwungen. Genauso schwer ist es auch zu erkennen, ob Links freiwillige Empfehlungen sind. Also fing Google an Links zu verunglimpfen. Sie fingen an Tags einzuführen, damit der Setzer sagen kann: Meine die Empfehlung ernst oder Empfehlung wurde erkauft. Immer größer wurde aber nun auch die Angst der freiwillig verlinkenden. In eine Blogroll? Sollte man überhaupt noch eine Blogroll haben? Ist das nicht gefährlich? Könnte einen Google da eventuell abstrafen? Auf der anderen Seite erkannten aber auch die Webseiten Betreiber das Geschäft. Freiwillige Empfehlungen? Ganz ehrlich, wer macht das noch? Wer denkt nicht bei jedem Link den er setzt an Google oder an Geld?

Und genau da ist das Problem von Google eben hausgemacht. Denn Empfehlungen und Zitate in wissenschaftlichen Arbeiten kann man genauso kaufen wie Links. Denn solange es um Empfehlungen geht sind Menschen leider käuflich und wo etwas käuflich ist wird sich ein Markt entwickeln. Da ist es egal, ob der Link zählt, ein +1 ein like oder tweet oder sonst was. Das ändert nichts an dem Konstrukt. Daher wäre es für Google auch tatsächlich unsinnig den Algo dahin gehend zu ändern, das Links nicht mehr dafür notwendig sind. Welche Agentur ist denn nicht wenigstens darauf vorbereitet – oder bietet es mittlerweile schon an – die käufliche Manipulation von sozialen Signalen? Google müsste also alles umbauen, nur um am Ende das gleiche Problem zu haben? Nein.

Aber zurück zu der Mail von Google von der ich so garnichts halte. Johannes hat es mit McCarthy verglichen, ich würde behaupten Bush, Clinton und Obama passen da genauso rein. Denn die USA macht seit Jahrzehnten Politik mit der Angst der Menschen, sei es die Angst vor dem sozialen Abstieg, die Angst vor Terror oder die Angst keinen Strom mehr zu haben. Auch die Politik in Deutschland hat sich viele dieser Mechanismen mittlerweile angeeignet, aber es geht hier ja um Links. Denn das was Google macht ist nichts anderes. Webseiten Betreiber haben immer mehr Angst davor Links zu bekommen oder Links auf jemanden zu setzen. Und genau das letzte ärgert mich eben an der Sache. Den Markt wird Google nicht verhindern können. Was sie aber über die letzten Jahre immer mehr verhindert haben ist, dass Links aus Spass und ohne Nachdenken – eben freiwillig – gesetzt werden. Google weiß wie man Informationen streut um die Leute zu verunsichern.  Das Problem ist nur immer mehr, dass die falschen verunsichert werden, nämlich die, die nicht in diesem Markt Geld verdienen. Der Markt selber bleibt bei sowas eher ruhig, stellt ein paar Dinge um und  macht weiter. Daher ich warte endlich mal auf ein Signal von Google an all die Webseitenbetreiber, das ein Link etwas gutes ist und das niemand davor Angst haben sollte eine andere Seite auch ohne das er gefragt wurde zu verlinken und das man natürlich seine Freunde in die Blogroll aufnehmen darf und auch über die Microformate mitgeteilt wird ob es ein Nachbar, Freund oder einfach nur jemand den man bewundert ist. Man stelle sich nur mal vor +1 sind das Rankingkriterium von Google und Google fängt an Mails zu verschicken: Sie haben +1s von Auffälligen Personen bekommen. Gute Nacht World Wide Web

Ich empfehle alle Links in diesem Text persönlich und stehe zu ihnen 😉

Update: Auch wenn Google echt schnell geworden ist. 4 Minuten nach Publikation dieses Artikels auf Platz 4 zu Kassler Uni 😉

Update2: Frank hat auch so seine Erfahrungen mit dem gemacht was Google da losgetossen hat.


Tags

JK


You may also like

Produktion von Internet-Schrott

Spielen mit 2 Bit – SXSW Tag 3

Leave a Repl​​​​​y

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Schöner Artikel – und wenn man dein Fazit einen Schritt weiter spinnt, gehen Google durch genau dieses Vorgehen die ganzen echten Empfehlungen verloren, und übrig bleiben nur gekaufte Links der Leute, die sich von solchen Mails (zu Recht?!) nicht abschrecken lassen. (Ja, und es bleiben die Links all derer, die von dieser ganzen Panikmache noch nichts gehört haben und ihre Website aus Spaß heraus betreiben.)

  2. Ich werde auch den Eindruck nicht los, dass mit dem „aufräumen“ in den SERP´s mehr Klicks auf Adwords-Platzierungen erzwungen werden sollen. Die Adwords-Umsätze sind ja im letzten Quartal um 46% gestiegen. Ich kann mir auch vorstellen, dass ein paar Penguin-geschädigte Webmaster jetzt eine SEM-Kampagne aufgesetzt haben um noch ein bisschen Traffic abzugreifen. Das sieht für mich ein bisschen so aus, als ob man die Qualität der SERP´s kurzfristigen Adwords-Zuwächsen opfert. So eine Quartalsdenke hat bisher noch keiner Firma auf Dauer gutgetan.

  3. Die Emotionen kochen hoch. Vielen Dank für den Beitrag.
    Aktuell leider nur noch auf Seite 3 mit deinem Money KW. Hoffe du bekommst dennoch noch Traffic darüber. 😉

  4. echte Links sind nicht nahezuverschwunden, weil Menschen Angst hätten zu verlinken, sondern eben durch die extrem monetäre Aufwertung von Links + eine extreme Veränderung der Internetlandschaft.

    Gab es ganz früher „echte“ Linklisten mit wirklichen Inhalten und Seiten mit ebendiesen, und später Blogs hat sich das Gros dieser Seiten doch aus dem Aktiven Internet verabschiedet und wenn überhaupt werden Tipps und somit Links gerade noch auf Facebook geteilt, vielleicht irgendwanna auch auf Google+

    Sehen wir es doch mal ehrlich ausser ein paar Modeblogs, und Marketing + Internetnerds sind 99,5% aller Seiten in irgendeiner Art Kommerziell… Und letztere geben eben nichts umsonst.

    Aber klar, Linkkauf und Verkauf wird nicht verschwinden eher so werden wie dieser Beitrag, gell. 11 möglichst echte Links, von denen dann vielleicht der eine verkauft ist…

    Wenn Google das erreicht, hat Google doch viel gewonnen. War bisher 100% der Links kommerziell werden dann eben nicht noch 9% Kommerziell und 91% einigermaßen echt. Dann kann google auch wieder Links als Trust zählen, denn selbstverständlich sinds die persönlich als gut befundenen Seiten jene, die in den 91% liegen.

    Okay, es werden dann immer noch Links verkauft, aber es entstehen eben auch viel mehr – einigermaßen – echte Links.

  5. Ich halte die qualitative Bewertung von Links für sinnvoll. Manche Empfehlungen sind halt nicht soviel wert, wie andere. Wo eben dieser Markt entsteht, da wird er sich nicht nur in die Breite entwickeln, sondern auch in die Höhe(Qualität).

    Nur Googles Verhalten der letzten Jahre bereitet mir Sorgen. Google hat doch drei Möglichkeiten Links zu bewerten: Förderlicher Link, Link ohne Auswirkung und Link mit negativen Folgen. Aus der Macht heraus Links mit negativen Folgen zubelegen, wächst eine große Verantwortung. Während die neutrale Bewertung, den Link einfach nur wertlos für die Suchmaschinen macht, ist doch die negative Bewertung schädlich für die Webseite. Die Möglichkeit, dass wir unsere Webseite durch Links schädigen, ist es was uns Angst bereitet und weil Google nicht klar kommuniziert, welche Links gut und schlecht sind, stehen wir da und wissen nicht was wir tun sollen. (Bei eigenen Projekten ist der Mut zum Linkaufbau bestimmt größer als bei Kundenprojekten.)

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Subscribe to our newsletter now!