Angst fressen Seele auf

Alle reden über Links und Briefe von Google (ach ja habe auch gerade wieder einen mit Adwords Gutscheinen erhalten, die ich meinen Kunden geben soll) nur wir schreiben über Facebook? Ja, weil ich es erstmal nicht relevant fand, da es nichts neues ist, das Google versucht etwas gegen Linkverkauf zu tun.  Da lassen sie sich ständig etwas neues einfallen. Aber ich gebe zu diese Aktion von Google ärgert mich langsam weil ich es für den falschen Schritt halte. Deshalb schreibe ich jetzt doch einmal etwas zu dem Thema.

Ich habe angefangen zu Zeiten von Mailboxen und BTX mich mit Netzwerken zu beschäftigen. Irgendwann dann gab es Mosaic und damit einen Zugang über die Kassler Uni zum WWW (Nein nicht Internet, sondern World Wide Web) Das war was neues und tolles, denn wenn man vorher Compuserv und BTX kannte war diese eine kleine tolle Erfindung auf der dieses World Wide Web basierte genau das was bisher gefehlt hatte. Der Hyperlink! Hyper war das alles plötzlich. Und plötzlich gab es seltsam klingende Anbieter die Zugang zu diesem World Wide Web anboten. Selbst aol und Compuserv erlaubten, dass man aus ihrer Welt ausbrach und per Hyperlinks sich von Seite zu Seite navigieren konnte. Ganz wichtig war damals das Yahoo Verzeichnis, denn sowas wie eine Suchmaschine gab es ja nicht. Dort konnte man zu allen Themen und kategorein Links zu den tollsten Webseiten finden. Und man fing selber an Seiten bei geocities aufzubauen, html (3.0) zu lernen und natürlich hat man das gemacht was eigentlich selbstverständlich war; Wenn einem etwas gefiel hat man es von seiner Seite verlinkt.

Nach ein paar Altavistas und Hotbots (Mein Favorit) und Fireball oder Metager etc. die einfach nur die Ergebnisse aller anderen zusammenfassten, kam dann Google und machte etwas sehr schlaues. Genauso wie in der Wissenschaft, nahm Google die Empfehlungen die eine Seite per Hyperlink bekam als ausschlaggebendes Signal für die Beliebtheit einer Seite. So wie man in wissenschaftlichen Arbeiten anständig zitieren sollte, und somit ein Werk zu mehr Relevanz verschafft machte es eben Google mit den Webseiten. Genial, da es wirklich gute Ergebnisse brachte.

Aber, und damit sind wir am Wendepunkt der Geschichte, Google machte damit den Hyperlink zu einem Gut, dass mit der Zeit immer begehrenswerter wurde. Denkt man an die Anfänge der Blogosphäre zurück, war man doch stolz darauf wenn man in die Blogroll eines anderen aufgenommen wurde. Wenn über Trackbacks spannende Diskussionen entstanden. Man hat gegenseitig übereinander berichtet und sich natürlich auch verlinkt. So funktionierte das Internet. Doch der Link als Gut machte natürlich auch Erfinderisch und man (;-)) hat viele Dinge ausgenutzt, denn erst ging es nur darum viele Links zu bekommen, irgendwann ging es darum noch mehr Links zu bekommen. Damit ging aber der Kampf SEO gegen Google los. Google sah natürlich den Algo der auf den Links basiert als gefährdet an und fing an sich Dinge auszudenken wie man gegen diese Links vorgehen kann. Da Links aber nach wie vor Empfehlungen sind und man auch im echten Leben nicht immer sagen kann, ob eine Empfehlung freiwillig und wirklich so gemeint ausgesprochen wird oder aber erkauft oder erzwungen. Genauso schwer ist es auch zu erkennen, ob Links freiwillige Empfehlungen sind. Also fing Google an Links zu verunglimpfen. Sie fingen an Tags einzuführen, damit der Setzer sagen kann: Meine die Empfehlung ernst oder Empfehlung wurde erkauft. Immer größer wurde aber nun auch die Angst der freiwillig verlinkenden. In eine Blogroll? Sollte man überhaupt noch eine Blogroll haben? Ist das nicht gefährlich? Könnte einen Google da eventuell abstrafen? Auf der anderen Seite erkannten aber auch die Webseiten Betreiber das Geschäft. Freiwillige Empfehlungen? Ganz ehrlich, wer macht das noch? Wer denkt nicht bei jedem Link den er setzt an Google oder an Geld?

Und genau da ist das Problem von Google eben hausgemacht. Denn Empfehlungen und Zitate in wissenschaftlichen Arbeiten kann man genauso kaufen wie Links. Denn solange es um Empfehlungen geht sind Menschen leider käuflich und wo etwas käuflich ist wird sich ein Markt entwickeln. Da ist es egal, ob der Link zählt, ein +1 ein like oder tweet oder sonst was. Das ändert nichts an dem Konstrukt. Daher wäre es für Google auch tatsächlich unsinnig den Algo dahin gehend zu ändern, das Links nicht mehr dafür notwendig sind. Welche Agentur ist denn nicht wenigstens darauf vorbereitet – oder bietet es mittlerweile schon an – die käufliche Manipulation von sozialen Signalen? Google müsste also alles umbauen, nur um am Ende das gleiche Problem zu haben? Nein.

Aber zurück zu der Mail von Google von der ich so garnichts halte. Johannes hat es mit McCarthy verglichen, ich würde behaupten Bush, Clinton und Obama passen da genauso rein. Denn die USA macht seit Jahrzehnten Politik mit der Angst der Menschen, sei es die Angst vor dem sozialen Abstieg, die Angst vor Terror oder die Angst keinen Strom mehr zu haben. Auch die Politik in Deutschland hat sich viele dieser Mechanismen mittlerweile angeeignet, aber es geht hier ja um Links. Denn das was Google macht ist nichts anderes. Webseiten Betreiber haben immer mehr Angst davor Links zu bekommen oder Links auf jemanden zu setzen. Und genau das letzte ärgert mich eben an der Sache. Den Markt wird Google nicht verhindern können. Was sie aber über die letzten Jahre immer mehr verhindert haben ist, dass Links aus Spass und ohne Nachdenken – eben freiwillig – gesetzt werden. Google weiß wie man Informationen streut um die Leute zu verunsichern.  Das Problem ist nur immer mehr, dass die falschen verunsichert werden, nämlich die, die nicht in diesem Markt Geld verdienen. Der Markt selber bleibt bei sowas eher ruhig, stellt ein paar Dinge um und  macht weiter. Daher ich warte endlich mal auf ein Signal von Google an all die Webseitenbetreiber, das ein Link etwas gutes ist und das niemand davor Angst haben sollte eine andere Seite auch ohne das er gefragt wurde zu verlinken und das man natürlich seine Freunde in die Blogroll aufnehmen darf und auch über die Microformate mitgeteilt wird ob es ein Nachbar, Freund oder einfach nur jemand den man bewundert ist. Man stelle sich nur mal vor +1 sind das Rankingkriterium von Google und Google fängt an Mails zu verschicken: Sie haben +1s von Auffälligen Personen bekommen. Gute Nacht World Wide Web

Ich empfehle alle Links in diesem Text persönlich und stehe zu ihnen 😉

Update: Auch wenn Google echt schnell geworden ist. 4 Minuten nach Publikation dieses Artikels auf Platz 4 zu Kassler Uni 😉

Update2: Frank hat auch so seine Erfahrungen mit dem gemacht was Google da losgetossen hat.

About the Author

Jan Kutschera ist Internet Idealist und Growthenthusiast so wie Zahlen und Analytics verrückt. Aufgeachsen mit L.A. Poser Metal, Punkrock und Grunge sind die Wurzeln seines Handelns irgendwo hier zu finden. Nach fast 10 Jahren und drei gegründeten Beratungs- und Marketing Agenturen ist sein Interesse mittlerweile die Strategie und der Aufbau von Geschäftsmodellen und eignen Produkten.

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