Verlogene Links und Suchmaschinenmanipulierer

Google wütet seit Wochen in Deutschland und selbst der N24 und das ZDF greifen das Thema der bösen Suchmaschinenmanipulierer auf. Endlich tut sich also etwas. Google räumt auf und tut etwas gegen Manipulationen. Die Suchergebnisse werden sich binnen Wochen verbessern und der User wird endlich wieder bessere Ergebnisse bekommen. Möchte man zumindest meinen, und das ist auch die PR Aussage, die Google gern promoten möchte. Aber was passiert wirklich?

Betrachtet man sich die Opfer, sind diese ausschliesslich Netzwerke. Und nicht nur das, es sind eindeutig erkennbare Netzwerke. Um diese zu erkennen benötigt man eigentlich nicht einmal Google oder die Linkresearchtools oder sonstige aufwendige und teure Tools. Die Netzwerke, die Google abgestraft hat, hätte jeder mit bloßem Auge erkannt. Da standen immer wieder dieselben Namen des Geschäftsführers im Impressum, alle Seiten verlinkten nur auf Seiten derer Kunden oder es waren Netzwerke, die auf aufeinanderfolgenden IPs mit relativ erkennbarem Muster aufgebaut waren. Es waren Artikel, die eindeutig als Advertorial gekennzeichnet waren etc.

Entschuldigung Google, mehr könnt Ihr nicht? Was ist mit den ganzen Marktplätzen, über die nach wie vor ein Großteil der Blogger  „Artikel“ verkauft? Was ist mit den ganzen anderen Excel-Listen, die nach wie vor rumschwirren, auf denen tausende von Webseiten stehen, von denen man Links kaufen kann? Die große Suchmaschine Google ist nach wie vor nicht in der Lage gekaufte von ehrlich gesetzten Links zu unterscheiden. Bisher kann Google nur zu viele „harte“ Linktexte erkennen und eben eindeutige Netzwerke. Wenn wir ehrlich sind; das können sie schon seit Jahren und trotzdem funktionieren sie noch und gibt es sie noch und Google geht noch immer gegen die gleichen unsinnigen und überflüssigen Links vor, wie vor 5 Jahren. Nein, Google „traut“ sich noch immer nicht, weiterzugehen, denn alles Weitere wäre eine Vermutung von Google. Ist der Link gekauft worden? Wurde er vom Autor ehrlich gesetzt? Das ist das große Problem der Suchmaschine. Sie können keine Intention interpretieren. Es fällt Google nach wie vor schwer, die Intention eines Suchenden zu interpretieren. Die Intention eines Autors/Künstlers ist unberechenbar für Maschinen und der Kollateralschaden wäre wohl auch zu groß und Google würde sich zum Richter über die Intention des Autors aufspielen. Damit würden sie sich in Gewässer vorwagen, die nicht mehr in ihrem Bereich lägen und die Menschen, die Ersteller von Inhalten die sie gerne zu Google+ ziehen würden, vergraulen.

Google hat ein großes Problem. Die Referenzierung von Webseiten durch andere ist die beste Art ein Ranking zu erstellen. Auch die Wissenschaft hat noch kein neues System geschaffen. Da gibt es nach wie vor auch so viele Theorien, die absurd sind. Da jedoch niemand das jemand das Gegenteil bewiesen hat, sind sie nach wie vor gültig. Diese Arbeiten werden noch immer referenziert und außerdem sind sie, so unsinnig sie auch sind, wichtig. Gut, in der Wissenschaft kümmert sich kaum einer darum, eine aktive Referenzierung voranzutreiben, aber was würde passieren, wenn dieses einmal jemand täte? Würde man dort ein besseres System finden oder würde man genau so wie Google vorgehen und versuchen die Leute zu denunzieren, die den Wissenschaftlern dabei helfen bekannter zu werden?

Ja, ich stehe auf gute Inhalte und ich halte die Google Suchergebnisse in den letzten 1,5 Jahren für die schlechtesten, die sie je hatten. Aber ist das ein Problem von Suchmaschinenoptimierung? Ich denke nicht. Unternehmen wie PR helfen Unternehmen dabei ihre Inhalte für Google besser zu präsentieren. Inhaltlich, technisch und natürlich auch was die Promotion angeht. Das hilft vor allem Google, da es für sie einfacher wird die Inhalte eindeutig und klarer zu identifizieren und zu finden. Aber genau das ist das Problem von Google. Es dreht sich alles immer schneller. Wir suchen eben nicht mehr nur am Rechner, wir suchen nicht mehr nur mobil. Wenn ich etwas kaufen möchte, suche ich direkt bei Amazon oder eBay. Wenn ich einen Preis vergleichen will, dann gehe ich zu idealo. Will ich wissen, wo etwas ist, rufe ich direkt maps auf und in letzter Zeit immer öfter Apples Karten. Das ist alles noch einfach. Aber wenn ich mit devices unterwegs bin, suche ich nicht mehr nach Webseiten, ich suche nach Inhalten in Apps, nach Unterstützung zu Problemen und Frage und nach Hilfe bei der Interpretation großer Datenmengen – Stichwort: Quantiyfiedself. Warum soll ich nach einer Band bei Google suchen? Das mache ich direkt in Spotify. Das Internet war zwar noch nie nur das www, aber Google hat es verstanden sich darauf sehr lange zu spezialisieren. Schon einmal eine ftp-Server-Suche über Google gemacht? Oder Newsgroups, IRC durchsucht? Mails kann man auch nur durchsuchen, wenn Google der Anbieter ist. Auf Realtime-Inhalte hat Google keinen Zugriff und hat es wieder aufgegeben. Hallo! Was ist los, Google? Wie wollt Ihr das alles meistern, wenn Ihr nur schlecht gemachte Linknetzwerke abstrafen und Negativ-PR machen könnt. Sorry, aber so langsam verliere ich meinen Glauben in Google. Und ganz besonders aus einem Grund: Jahrelang haben wir Euch als SEOs geholfen! Wir haben Webmasterrichtlinien erklärt, Unternehmen geholfen die Seiten für Euch gerecht aufzubauen, ihnen erklärt wie man gute Inhalte erstellt und Seiten für User erlebbar und interessant macht. Und was kommt zurück? Die Suchmschinenmanipulierer. Danke! Ganz ehrlich, nach wie vor ist es einfacher bei Google zu ranken, als aufwendige Seiten mit tollen Inhalten zu bauen, um natürliche Links zu gewinnen. Links kaufen. Wenn Google aber weiterhin so vorgeht, wie die letzten Jahre, werden sie die gut gesetzten Links auch in 10 Jahren nicht finden. Derzeit ist die einzige Konsquenz, dass Webseitenbetreiber Angst haben Links zu setzen und lieber gleich darauf verzichten und andere Seiten möglichst ihre besten Links abbauen lassen, weil sie nicht mehr in ihr „Linkprofil“ passen. Alles was ich in den letzten 2 Jahren in dem Bereich gesehen habe, da rollen sich bei mir nach wie vor die Zehennägel auf. So wird der Sinn des www ad absurdum geführt. Darauf noch einen anständigen Algo zu bauen: Viel Spaß. So unnatürlich wie die Linkprofile durch die ganzen Disavows und Abbau-Aktionen geworden sind. Ob das nicht eher nach hinten los geht?

 

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About the Author

Jan Kutschera ist Internet Idealist und Growthenthusiast so wie Zahlen und Analytics verrückt. Aufgeachsen mit L.A. Poser Metal, Punkrock und Grunge sind die Wurzeln seines Handelns irgendwo hier zu finden. Nach fast 10 Jahren und drei gegründeten Beratungs- und Marketing Agenturen ist sein Interesse mittlerweile die Strategie und der Aufbau von Geschäftsmodellen und eignen Produkten.

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